Pilgern und Wandern

Brauchen wir neue Pilgerwege?
Bekanntlich hatte Luther das Pilgern als Werkgerechtigkeit abgelehnt. So verschwand es lange Zeit aus dem protestantischen Bewusstsein. Heute hat sich die Nachfrage auch bei evangelischen Christen deutlich geändert.
Auf dem Jakobsweg seien es laut Befragung nur noch 20-30 % der Pilger, die mit religiöser Motivation, wie Reue, Buße oder der Erfüllung eines Gelübdes unterwegs seien. Moder­nes Pilgern sei häufig Religiosität ohne kirchliche Bindung. Im Zentrum stehe die Sehnsucht nach Einfachheit und Auszeit sowie Neugier nach dem ganz Anderen.
So entwickelt sich heute mehr und mehr ein „säkulares“ Pilgern. Nach den Unter­suchungen des Deutschen Wanderinstituts bewegen sich Wan­dern und Pilgern aufeinander zu. Immer mehr Wanderer suchten unterwegs spirituelle Erfahrungen über die Begegnung mit der Natur.
 

Pilgern- Beten mit den Füßen

Sie nehmen den Pilgerstab in die Hand, packen den Rucksack und brechen auf.
Quelle: Pfr. Jörg Hinderer
Für eine Strecke, die ein Auto in einer halben Stunde zurücklegt, brauchen sie einen ganzen Tag. Pilger entdecken die Langsamkeit wieder und kehren verändert in den Alltag zurück. Pilgern war immer der Beginn eines großen Abenteuers mit ungewissem Ausgang, aber zumindest mit einem klaren Ziel: das Heil für die Seele zu finden.
Pilgern hat Menschen zu allen Zeiten fasziniert und verändert. Es verhilft vielen neu oder ganz anders zum Glauben an Gott; es erweitert Horizonte und fördert das Staunen und die Freunde an der Vielfalt der Menschen, Kulturen und Regionen, die einem auf dem Weg begegnen. Und Pilgern schafft eine tiefe Befriedigung, wenn das Ziel erreicht ist.
 
 

Der Martinsweg

Der Martinusweg in der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Quelle: Diözese Rottenburg-Stuttgart
2005 hat der Europarat den Martinusweg („Via Sancti Martini“), der die Geburtsstadt des Hl. Martin, Szombathely in Ungarn, mit seiner Grablege in Tours in Frankreich verbindet, in die Liste der Kulturwege aufgenommen. Martinuswege gibt es mittlerweile in Frankreich, Italien, Slowakei und Tschechien.
Bischof Dr. Gebhard Fürst hat diese Idee aufgegriffen und den Martinusweg auch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die unter dem Patrozinium des Hl. Martin steht, ausgewiesen. Wir verstehen und gestalten den Martinusweg in unserer Diözese als Pilgerweg, auf dem die Pilgerinnen und Pilger eingeladen sind, sich mit dem Hl. Martin auf einen geistlichen Weg zu begeben und sich mit seinem Glaubenszeugnis, seinem Leben und seinem Wirken auseinanderzusetzen. Pilgern auf dem Martinusweg kann so zur Spurensuche werden: nach Spuren des Hl. Martin in unserer Diözese, aber mehr noch nach Spuren Gottes in unserem Leben.
 
 

Das Weibliche erspüren

Der neue badische Frauenpilgerweg führt von Mosbach nach Heidelberg - und setzt unterwegs facettenreiche Impulse
Quelle: Ekiba - ZfK

» Pilger.schön – ist es eine Aufforderung oder eher eine Adjektiv-Konstruktion? Es ist wohl von beidem etwas. Pilger.schön lautet der Name des Reformations-Frauenpilgerwegs – ein Projekt der Evangelischen Frauen in Baden –, der im September offiziell eröffnet wird und in den kommenden zehn Jahren jedes Jahr um eine Etappe länger werden soll.

Die Idee zum Pilgerinnenweg hatte Anke Ruth-Klumbies, Leiterin der Evangelischen Frauen in Baden. Für die praktische Umsetzung und die konkrete Wegeplanung wurde die Stadtplanerin Corinna Lochmann ins Boot geholt, die sich auf spirituellen Tourismus spezialisiert hat.
 
Wichtig war ihr dabei vor allem, die weiblichen Auren bzw. die weiblichen Aspekte der auf dem Weg liegenden (Natur-)Plätze oder Gebäude zu erspüren und für die Pilgerinnen erlebbar zu machen.

Spirituelle Wanderungen

Ein Angebot der Evangelischen Gesamtgemeinde Königsfeld
Quelle: Evang. Gesamtgemeinde Königsfeld / Franz
Sie streifen durch die nähere Umgebung Königsfelds, genießen die Reize der Natur und lassen sich anregen von meditativen Texten. Die kurzen Wanderungen laden ein zur Achtsamkeit gegenüber sich selbst, gegenüber der Schöpfung und gegenüber Gott.